Evangelische Kirchengemeinde Walsum-Vierlinden © Evangelische Kirchengemeinde Walsum-Vierlinden 2020

Unser neuer Pfarrer vor Ort

Hallo liebe Gemeinde, ich bin Ihr neuer Pfarrer! Seit Anfang Juli bin jetzt mit meiner Familie im Pfarrhaus am Helpoot vor Ort. Zu meiner Familie gehören meine Frau Janna, ein Sohn und zwei Töchter. Wir fünf waren auf der Suche nach einer Gemeinde im Norden des Ruhrgebiets. Ich bin froh, in Walsum-Vierlinden eine lebendige Gemeinde und sehr engagierte Mitarbeiter:innen und Presbyter:innen gefunden zu haben. Ich bin dankbar für viele sehr herzliche Begrüßungen in den ersten Tagen! Und ich freue mich darauf, gemeinsam mit Ihnen ein Stück Kirche zu gestalten, die die Herausforderungen der Zukunft anpackt. Für mich ist eine Kirchengemeinde ein bisschen wie eine große, gute Familie: Bunt und unterschiedlich, mal laut, mal leise. Aber ein Ort, an dem man sich wohlfühlen soll und an dem jede:r willkommen ist und gute Gemeinschaft erlebt. Und: Zu der auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gehören. Es ist der Aufgabenschwerpunkt meiner Pfarrstelle besonders mit diesen Altersgruppen zu arbeiten. Darauf freue ich mich und bin gespannt, was uns in der Gemeinde einfallen wird, um mit jungen Menschen Gemeinschaft zu pflegen und Glauben zu leben. In meiner Freizeit programmiere ich gerne, spiele Klavier, bin auf dem Wasser unterwegs (im Moment probiere ich das Kajak-Fahren) oder höre skandinavischen Trio-Jazz (gerne auch beim Predigt- Schreiben). Auch dienstlich bin ich immer gerne mit dem Fahrrad unterwegs. Ich freue mich darauf Sie als Gemeinde kennen zu lernen! Es sind allerdings anspruchsvolle Bedingungen, unter denen ich anfange: Durch die Coronakrise ist das Kennenlernen nur stellenweise möglich, da das Gemeindeleben stark eingeschränkt sein muss. Dazu ist die zweite Pfarrstelle derzeit noch vakant. Ich bin sehr froh, dass diese zweite Schwierigkeit etwas aufgefangen wird durch die Kollegin Pfarrerin Elke Voigt aus dem Kirchenkreis
Dinslaken, die mich bei den pastoralen Tätigkeiten unterstützt. Die Herausforderungen bedeuten aber auch, dass manche Dinge nicht wie in der Vergangenheit üblich weitergeführt werden können. Auch wegen der aktuellen Gegebenheiten werde ich manche Wünsche und Bedürfnisse nicht erfüllen können. Mir ist aber wichtig, dass niemand übersehen wird. Bitte zögern Sie nicht, mit mir Kontakt aufzunehmen, wenn Sie eine Frage haben oder wenn Sie denken: Hier müsste Kirche sein - wo ist sie? Danke für Ihr Interesse. Ich freue mich auf viele Begegnungen an verschiedenen Stellen in Walsum- Vierlinden! Herzlich Ihr Pfarrer Johannes Brakensiek
© Ev. Kirchengemeinde Walsum-Vierlinden 2018
Vielleicht haben wir vergessen, dass Gott uns gar nicht nackt in eine kalte Welt gestoßen hat. Wie heißt es so schön, am Ende der Paradiesge- schichte: Gen 3, 21: Und Gott der Herr machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an. Gott wärmt uns, ist fürsorglich und freundlich, lässt uns nicht im Regen stehen. Es heißt da auch nicht, dass Gott sich in seinen Pa- radiesgarten hinter verschlossene Türen zurück- zog und uns in der Welt alleine ließ. Er geht doch mit! Steigt ein in seine Geschichte mit den Menschen, läuft durch Wüsten und klettert auf Berge, über- quert mit uns den Jordan und reitet ein in Jerusalem. Mich tröstet das sehr. Vielleicht ist dies eine gute Zeit sich bewusst zu machen, in welche Gnade Gott uns hüllt, wenn die Selbstsicherungsmaßnahmen gefallen sind. Er wird an unserer Seite bleiben. Ein zweiter Gedanke: Als Jesus in Jerusalem einzieht, geht es um ein ganz anderes Ausgeliefert sein, als wir es z.Z. empfinden. Unser Eindruck ist doch, dass es nicht wirklich in unserer Hand liegt, ob wir uns anstecken oder ob wir verschont bleiben. Selbst Vorsichtsmaßnahmen bieten keine Garantie für Gesundheit. Als Jesus in Jerusalem einzieht, liefert er sich frei- willig aus, wählt für sich den Tod – unabwendbar, in aller Konsequenz. Noch reitet er über unsere Mäntel, am Freitag wer- den sie um sein Gewand würfeln. Nackt wird er am Kreuz hängen, in seinen Folter- qualen auch noch den obszönen Blicken preisgegeben. Noch rufen ihm die Menschen ihr Hosianna zu – übersetzt: Hilf uns, Herr – am Freitag wird er am Kreuz seine eigne Hilflosigkeit und Gottverlassen- heit herausschreien. Er hätte einen großen Bogen um Jerusalem ma- chen können, hätte seine Aktivitäten in den Untergrund ver- lagern können, nach Indien weiterwandern… Stattdessen wählt er den Weg, an dessen Ende sein Sterben stehen wird. Für mich verkündet er damit die Botschaft: Ich entzieh mich nicht, wenn’s eng für mich wird. Ich steh zu dem, was ich Euch gesagt hab. Ich bin der Verlässliche, der – komme, was da wolle, an Eurer Seite bleibt, Ich weiche Euren Bosheiten aber auch eurer Not nicht aus, Ich durchleide mit euch Euer Menschenschicksal und nehme euch mit vom Tod ins Leben. Ich glaub nicht, dass er das angstfrei getan hat - je- denfalls schwitzt er im Garten Gethsemane Blut und Wasser. Er tat es, um uns zu ermöglichen, ein neues Menschsein (Eph 4, 24) anziehen zu können, das uns in Gotteskindschaft kleidet im Leben und im Sterben. Mir dient das zum Trost! So stelle ich mich dann doch hin und winke Jesus zu: Komm, kehr bei uns ein!! AMEN Und der Friede Gottes, der höher ist, als all unsere Vernunft, stärke und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN Herzliche Grüße aus Essen nach Walsum Ihre Carolin Reichart

Lesung Lk 19, 28-40

Jesu Einzug in Jerusalem

Ihr Lieben, Palmzweige zur Hand, die Kleider auf den Boden und das Hosianna auf die Lippen – lasst uns „Jesus den Weg bereiten“ Mit diesen Worten sollte meine Palmsonntagpre- digt beginnen – jedenfalls in der Version, die ich vor der Corona-Krise geschrieben hab. Da ging ich noch davon aus, dass wir gemeinsam und dicht gedrängt den Weg säumen, auf dem Jesus einreitet. Ich hab beschrieben, wie wir freiwillig die Mäntel von den Schultern streifen, um ihm Zeichen des Willkommens zu senden. Jetzt ist die Situation eine ganz andere. Niemand steht winkend am Straßenrand. Reisen sind untersagt – wahrscheinlich wären die Stadttore Jerusalems geschlossen – es herrscht Versammlungssperre. Für mich war die abgelegte Kleidung eine Chiffre dafür, dass ich mich aller Selbstdarstellungsre- quisiten entledigen muss, um echt und wahrhaf- tig, ohne Schutzschilder oder Masken Gott begegnen zu können. Jetzt grassiert ein Gefühl der Schutzlosigkeit, das so heftig wird, dass alle nicht nur den Mantel enger um sich legen, sondern am liebsten noch Kittel über ihre Kleidung ziehen würden, viele nur mit Einmalhandschuhen einkaufen gehen, ein Mundschutz vor dem Gesicht. Menschen fühlen sich der Situation völlig ausgeliefert. Wer weiß denn schon, ob er angesteckt ist, ob sie’s vielleicht unbemerkt überstanden hat, als sie neulich öfter mal husten musste. Darf ich meine Kinder, die zu Besuch kom- men noch umarmen? Bin ich geschützt, wenn ich nicht vor die Tür gehe, oder sitzt der Virus auch auf dem Um- schlag, den ich grad aus dem Briefkasten ge- zogen hab? So viel Verunsicherung. Unsere Kleider liegen nicht wie ein roter Teppich aus, sondern scheinen uns zwangsweise genom- men, bieten nicht länger Geborgenheit und Schutz, Sicherheit und Heimat. Wir alle stehn im Hemd. Keinen Kragen, den wir gegen den steifen Wind hochschlagen können keine Ärmel zum Hochkrempeln, Plötzlich merken wir, dass wir unter unseren An- zügen und Kostümen, unter Blaumann und Kit- telschürzen – alle nackt sind – von einem kleinen Virus zu Fall zu bringen. Dazu zwei Gedanken: Erinnert Ihr Euch an Adam und Eva, als sie das Paradies verspielt hatten. Vor Ihnen lag nicht län- ger ein grünender Garten. Sie fühlten sich hin- ausgestoßen in ein steiniges Land voller Dornengestrüpp, das mühsam zu bestellen war. Statt eines satten Lebens, in dem wir täglich alle Waren zu Verfügung haben, in finanzieller Sicher- heit leben, eine Sozialgesetzgebung haben, die jedem eine Grundversorgung garantiert, plötzlich Angst um unsere Vorräte, für alle Freiberufler und Selbstständigen tat- sächliche Existenzgefährdung, unsere Gesundheit stündlich in Frage gestellt. Fühlt sich so die Vertreibung aus dem Paradies an? Mir wird so bewusst, wie gut wir es hatten und immer noch haben – in einem der reichsten Län- der der Welt mit einem der best ausgestatteten Gesundheitssysteme.
Ev. Kirchengemeinde Walsum-Vierlinden