Evangelische Kirchengemeinde Walsum-Vierlinden © Evangelische Kirchengemeinde Walsum-Vierlinden 2020

Leibhafte Gegenwart ist gebunden an die

Bedingungen irdischer Existenz. Du kannst

zur selben Zeit immer nur an einem Punkt

sein. Der kommende Tröster, den Jesus

ankündigt, unterliegt diesen Bedingungen

nicht mehr. Der Geist der Wahrheit kann

überall die Herzen erreichen, erfüllen und

bewegen. Der Himmel geht über allen auf,

auf alle über, über allen auf.

Johannes erinnert sich nach Jahrzehnten

daran.

Gemeinden sind inzwischen entstanden,

aber der neue Glaube wird bekämpft, die

Wiederkunft Christi lässt auf sich warten,

fast alle Zeugen aus der ersten Reihe sind

tot. Nicht nur Druck von außen macht der

jungen Kirche zu schaffen, sondern auch

Verunsicherung, Zweifel und Mutlosigkeit

in den eigenen Reihen.

Für diese Menschen schreibt Johannes das

Evangelium auf, noch einmal und in einer

ganz besonderen Weise. Erinnert sich und

andere, tröstet:

Es ist kein Zufall, dass die Welt so rea-

giert, wie wir es augenblicklich erleben.

Der Herr hat uns schon damals darauf vor-

bereitet. Hat scharf getrennt, eine Linie

gezogen zwischen uns und denen drau-

ßen, hat vom Hass der Welt gesprochen,

der uns ebenso gelten werde wie ihm

selbst. Und dass die Welt in Unkenntnis

begriffen sei, was den anginge, der ihn

sandte. Und von dem Tröster gesprochen,

der kommen werde, um der Welt die

Augen zu öffnen und seine Jünger in die

Wahrheit zu leiten. Und dann hat er ge-

sagt: „In der Welt habt Ihr Angst, aber

seid getrost, ich habe die Welt

überwunden.“

Liebe Gemeinde,

lang, lang ist‘s her. Hat Johannes uns Heu-

tigen noch was zu sagen? In Voerde, in

Walsum, im ganzen Kirchenkreis? Die

strenge Trennung, das klare Gegenüber,

der tiefe Graben zwischen Welt und Ge-

meinde, wie verträgt sich das mit dem

Missionsbefehl, wie mit der Übernahme

von Verantwortung für eben diese Welt,

wie mit allem Engagement und vielen den

freundlichen Versuchen, eine Kirche mit

offenen Türen und einladenden Gemein-

den zu sein?

Jesus redet im Johannesevangelium von

einem Geist, der nicht beflügelt, faszi-

niert, in selige Ekstasen führt und Men-

schen wunderbare Werke tun lässt.

Sondern von einem, der der Welt die

Augen öffnen wird über die Sünde und

über die Gerechtigkeit und über das

Gericht.

Das klingt nicht gerade kirchentagsaffin,

wo wir uns bunt und fröhlich-friedlich

präsentieren, verständnisvoll und freund-

lich gegenüber jedermann und jederfrau.

Und es entspricht nicht unbedingt dem

guten Verhältnis zwischen Kirchen- und

Bürgergemeinde hier in Voerde, in dem

Christen weder Feindschaft noch Verfol-

gung ausgesetzt sind wie anderswo auf

dem Erdball, und niemand um sein Leben

fürchten muss, wenn er die Sache Jesu auf

seine Fahnen schreibt.

Lang, lang ists her. Also doch lieber bis

zum Lukas weiter blättern und uns am

pfingstlichen Jerusalem erfreuen?

Ich widersteh der Versuchung und lege

Euch diesen Text ans Herz. Wenn Jesus

dieses deutliche Gegenüber von Welt und

Jüngerschaft herausstreicht, dann tut er

das ganz sicher nicht, um sich aus der Ver-

antwortung für den Nächsten zu stehlen.

Oder einer Kirche das Wort zu reden, die

sich hinter dicken Mauern versteckt und

im Schatten des eigenen Kirchturms ge-

mütlich einrichtet. Seine Abschiedsworte

sind kein Plädoyer für einen Rückzug aus

der Welt. Weltfremdheit in Jesu Sprachge-

brauch steht weder für eine Sichtweise

von gestern noch eine sektiererische

Verweigerungshaltung.

Seine Abgrenzung zu einer Welt, die ihn

nicht versteht und ihm nicht folgt, stellt

uns die Frage, wem wir im Leben und

Sterben zu gehorchen haben, wem ver-

traut werden kann und wem unsere Liebe

gehört. In summa: wo gehörst Du hin, auf

welcher Seite stehst Du?

Mein Predigttext für den heutigen

Pfingstsonntag steht bei Johannes im

16. Kapitel seines Evangeliums. Ich

lese die Verse 5-15:

„Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der

mich gesandt hat; und niemand von

euch fragt mich: Wo gehst du hin?

Doch weil ich das zu euch geredet

habe, ist euer Herz voll Trauer.

Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist

gut für euch, dass ich weggehe. Denn

wenn ich nicht weggehe, kommt der

Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber

gehe, will ich ihn zu euch senden.

Und wenn er kommt, wird er der Welt

die Augen auftun über die Sünde und

über die Gerechtigkeit und über das

Gericht;

über die Sünde: dass sie nicht an mich

glauben;

über die Gerechtigkeit: dass ich zum

Vater gehe und ihr mich hinfort nicht

seht;

über das Gericht: dass der Fürst dieser

Welt gerichtet ist.

Ich habe euch noch viel zu sagen; aber

ihr könnt es jetzt nicht ertragen.

Wenn aber jener, der Geist der Wahr-

heit, kommen wird, wird er euch in

alle Wahrheit leiten. Denn er wird

nicht aus sich selber reden; sondern

was er hören wird, das wird er reden,

und was zukünftig ist, wird er euch

verkündigen.

Er wird mich verherrlichen; denn von

dem Meinen wird er's nehmen und

euch verkündigen.

Alles, was der Vater hat, das ist mein.

Darum habe ich gesagt: Er wird's von

dem Meinen nehmen und euch

verkündigen.“

Liebe Gemeinde,

Johannes schlägt andere Töne an als

die Apostelgeschichte mit ihrem Be-

richt über das erste Pfingstfest.

Keine Rede von einer Begeisterung,

die mit Feuer und Flamme ins Bild ge-

setzt wird.

Kein Wort über das Brausen von oben,

diesen himmlischen Sturmwind, der

alle Angst, Verzagtheit und Kleinmut

wegfegt.

Keine Notiz über das Wunder einer

Sprache, die alle Welt versteht und

Außenstehende nur mit dem Hinweis

erklären können: die haben die Ha-

cken voll. (woraus zu entnehmen ist,

dass Alkohol auch in jenen Tagen

schon als Kommunikationsmittel galt,

das keine Grenzen kennt)

Kein Hinweis darauf, wie aus trostlo-

sen Jünger hinter verschlossenen

Türen entschlossene, auskunftsfreu-

dige Zeugen werden, die das Evange-

lium fortan in alle Welt tragen.

Kein Grund, happy birthday zu singen,

wie denn auch, bei einer

Abschiedsrede.

Letzte Worte Jesu, nicht vor und

nichts für die Öffentlichkeit, sondern

an den exklusiven Kreis der Jüngerin-

nen und Jünger gerichtet. Bald wer-

den sie ohne seine körperliche Nähe,

seine leibhafte Präsenz leben müssen.

Über die Umstände seines Weggangs:

kein Wort. Schon die Ankündigung,

bald nicht mehr da zu sein, reicht, um

die Jünger in tiefe Trauer zu stürzen.

Eine Trauer um Jesus? Niemand fragt

nach, wohin sein Weg führt. Also

wohl eher eine Trauer über die anste-

hende Trennung und den damit ver-

bundenen Verlust weiterer

gemeinsamer Zeit. Die Furcht vorm Al-

leinsein, die Ungewissheit, wie es

weiter gehen soll. Jesus kennt seine

Leute, kennt ihre Schwächen und

Ängste. Statt Trost und Beistand ein-

zufordern angesichts dessen, was ihm

droht, nimmt er sich seiner verunsi-

cherten, traurigen, ratlosen Gefährten

an. Verspricht, dass sein Weggang

nicht das Ende ist, dass es weiter

geht, anders als bisher, und doch

weiter.

© Ev. Kirchengemeinde Walsum-Vierlinden 2018
Liebe Online-Gemeinde, Ich grüße Sie alle sehr herzlich, wo immer Sie diese Internet-Predigt auch lesen. In Zeiten von Corona wünschen wir uns Schutzengel. Für uns, für unsere Familien, für unsere Nachbarn. Ich möchte deshalb über einen Film erzählen, den der vielfach ausgezeichnete Regisseur Wim Wen- ders gemacht hat. Für ihn sind Engel eine Quelle unerschöpflicher Phantasie. Nun sind die wenigs- ten von uns in der Filmbranche tätig, aber bei die- sem Thema können wohl alle mitreden, jeder und jede mit eigenen Bildern und Vorstellungen im Kopf. Flügel müssen sie haben, sollen ja pfeilschnell an Ort und Stelle sein, wenn sie gebraucht werden. Und aller Sprachen mächtig sein, schließlich müs- sen sie überall auf der Erde verstehen, was die Menschen beschäftigt. Engel altern nicht, sie schreiten durch die Zeiten. Nicht selten in Einheitsrobe, lange, wallende Ge- wänder, natürlich in weiß, der Farbe der Unschuld. Engel kommen schwebend daher wie Schneeflo- cken, der Traum ist ihr bevorzugtes Spielfeld. Engel sind fleischlos und gehen durch dickste Mauern. Engel haben kein Eigenleben, spielen weder Skat noch entspannen in Hängematten, sind eigentlich immer im Dienst. Ihr Dasein besteht im Erfüllen von Aufträgen und Ausüben wichtiger Funktionen, sie sind selbstlose Wesen, ohne eigene Identität und Interessen. Engel sind nicht weisungsgebunden, was mensch- liche Wünsche oder Erwartungen betrifft, sondern Boten aus einer anderen Welt. Engel sind in der Regel unsichtbar, auch wenn ihre Abbilder Friedhöfe, Siegessäulen oder Kirchen- pforten schmücken. Wir kennen den Schutzengel und auch den Ra- cheengel, haben von Erzengeln gehört und von den gefallenen Engeln, es gab sogar einen Fußball- spielenden blonden Engel (auch wenn das nur ein Mensch namens Bernd Schuster war und in Diens- ten von Real Madrid stand). Liebe Gemeinde, das soll für den Einstieg reichen. Das Weitere überlasse ich Ihnen und Ihrer unerschöpflichen Phantasie. Ich möchte ja noch ein bisschen Zeit haben, um vom „Himmel über Berlin“ zu erzählen. Der Film spielt in der Nachkriegszeit, noch ist die Stadt geteilt, noch zieht sich die Mauer mit Sta- cheldrahtzaun und Todesstreifen wie eine hässli- che Narbe quer durch Berlin und trennt die Menschen im Westen und Osten. Trümmergrund- stücke, ödes Brachland mitten in der Stadt, Kriegs- ruinen, Mietskasernen. Nur der graue Himmel über der Stadt ist unteilbar. Und der gehört nicht Ost oder West, sondern den beiden Engel Cassius und Damiel. Besondere Engel. Sie verliren ihre Flügel, wandern in langen Mänteln unsichtbar durch die Straßen und Häuser der Stadt, beobachten alles, hören zu, bleiben stumme Zeugen, die in das Geschehen um sie herum nicht eingreifen. Mehr als eine Hand auf die Schulter oder den Kopf der Menschen, die davon gar nichts mitkriegen, haben sie nicht zu bieten. Auf ihrem Gang durch Berlin nehmen sie uns mit in eine Welt, in der die Menschen mit ihren Sorgen, Problemen und Ängsten allein schei- nen. Man sieht durch Fenster in trostlose Woh- nungen, blickt in der U-Bahn in leere Gesichter, streift durch eine Bibliothek, in der gepaukt wird, notiert Gesprächsfetzen und unverständliches Ge- murmel auf der Straße. Schließlich tauschen sich Cassius und Damiel, die beiden Hauptfiguren, über ihre Eindrücke aus, schildern Miniaturaufnahmen vom Leben in Berlin. „Es ist herrlich, nur geistig zu leben und Tag für Tag für die Ewigkeit von den Leuten rein was geis- tig ist zu bezeugen.“ sagt Damiel am Ende. „Aber manchmal wird mir meine ewige Geistesexistenz zuviel. Ich möchte dann nicht mehr so ewig drüber schweben. Ich möchte ein Gewicht an mir spüren, dass die Grenzenlosigkeit an mir aufhebt und mich erdfest macht. Ich möchte bei jedem Schritt oder Windstoß jetzt und jetzt und nicht mehr je und in alle Ewigkeit sagen.“ Ein Engel will ins Leben, träumt vom Füttern der Katze am Feierabend, vom Fieber einer Erkran- kung, von schwarzen Fingern beim Durchblättern frisch gedruckter Zeitungen, vom Füße ausstre- cken unter dem Tisch, träumt von den tausend tagtäglichen Kleinigkeiten, die für uns nicht der Rede wert sind, träumt den Traum vom Leben in Fleisch und Blut. Sich nicht nur von Geist begeistern lassen, son- dern von einer Mahlzeit. Ach und oh und ah und weh sagen können statt immer nur ja und amen. Endlich hinaus in die Welt jagen. Weg mit der Welt hinter der Welt. Sein Gegenpart hört zu, nicht ohne Sympathie, teilt die Begeisterung seines Kollegen jedoch nicht. „Allein bleiben, geschehen lassen, ernst bleiben...nichts weiter tun als anschauen sam- meln, bezeugen, beglaubigen, wahren, im Geist bleiben, im Abstand bleiben, im Wort bleiben...Cassius wird sich nicht ins Leben ziehen lassen, „denn nichts davon wird wahr sein“, pro- phezeit er skeptisch, und doch ist er Damiel bei dessen Eintritt in die Welt der Irdischen behilflich.. Es ist sicher kein Zufall, dass der letzte Schritt vor Damiels himmlischer Absturz ins irdische Leben im Todesstreifen an der Mauer spielt. Damiel weiß, welchen Preis er für seinen Entschluss zah- len wird. Seine Tage werden begrenzt sein, er wird Schmerzen spüren, verletzlich werden, übers Ohr gehauen, aber auch die Neugier und das Staunen entdecken, wird Sehnsucht im Herzen tragen und auf der Suche nach einer großen Liebe bleiben. Eins ist nicht ohne das andere zu haben. Wider- sprüche aushalten müssen und dennoch die Hoff- nung nicht aufgeben, am Anderen leiden und den Anderen brauchen wie Luft zum Atmen, Lust emp- finden und Trauer über Abschiede spüren, feiern im Wissen sterblich zu sein. Und plötzlich kommt Farbe in den Film, wechselt er vom tristen schwarz-weiß in bunte Bilder. Und es ist so, als ob ein tief hängender Wolkenvorhang plötzlich aufreißt und die Sonne ihr Licht über die Erde Leben gießt. Eine Liebeserklärung ans Leben, ohne dessen be- drückende, traurige Seiten dabei auszublenden oder zu verdrängen. Bilder von Krieg und Terror, von öder Leere, vom Leid der Opfer, der Ratlosig- keit aus der Zeit Gefallener, der Wut miteinander Streitender. Und daneben: Schönheit, Leichtigkeit, Jugend, Fest und Feier, Kinder im Spiel, ein kauzi- ger Schauspieler, der Anteil nimmt, Damiel hilft und später entlarvt wird. Auch er ein früherer Engel, der den Himmel zugunsten der Erde verließ. Können Menschen füreinander Engel werden? Sie können es, sagt der Himmel über Berlin. Kön- nen es, wenn und weil sie das Wunder der Liebe entdecken. Damiel hat auf seinen Streifzügen durch die Stadt einen kleinen Wanderzirkus entdeckt, der vor der Pleite steht und sich auflösen muss. Als unsichtba- rer Gast besucht er die Abschiedsvorstellung und verliebt sich in die Trapezkünstlerin Marion, die fe- derleicht unter der Zirkuskuppel schwebt und schaukelt, hört ihren Gedanken zu, ist hingerissen von ihrem Lebensmut, ihrer Zuversicht, ihrer Ju- gend und Schönheit. Doch als er erneut den Zir- kus besuchen will, findet er nur noch den verlassenen Sandkreis der früheren Manege. Er macht sich auf die schwierige Suche, im Dschungel der Metropole, unter Tausenden von hin und her Hastenden die eine wieder zu entde- cken, ist ja kein Engel mehr, der aus himmlischen Höhen herabschaut, sondern ein gewöhnlicher Sterblicher, der sein Glück sucht. Und am Ende findet. Sehnsucht findet Erfüllung. Ich habe in dieser Nacht das Staunen gelernt, sie hat mich heimgeholt und ich habe heimgefunden, wird Damiel später sagen. Es war einmal und also wird es sein. Das Bild, das wir gezeugt haben, wird das Bild meines Sterbens sein. Ich werde darin ge- lebt haben. Erst das Staunen über uns zwei hat mich zum Menschen gemacht. Ich weiß jetzt, was kein Engel weiß. Ihr Lieben, Ob die Aufgabe von Engeln möglicherweise darin besteht, Aufmerksamkeit für die Einmaligkeit, die Kostbarkeit, die Zerbrechlichkeit und Endlichkeit des Geschenks zu wecken, das wir Leben nennen? Ob die Tatenlosigkeit der beiden im Himmel über Berlin uns am Ende lehren will: Ihr selbst steht in der Verantwortung, Euer und anderer Leben zu schützen, die Liebe zu verteidigen, den Schmerz auszuhalten, einander beizustehen, Trost zu spen- den, Unerträgliches tragen zu helfen. Sollte es am Ende darauf hinauslaufen, dass die Verwandlung vom Engel zum Menschen eine Lie- beserklärung ans Leben ist, ein Lobpreis aufs Menschsein trotz aller Wunden, die geschlagen werden, trotz Schatten tiefer Täler, trotz des un- vermeidlichen Todes? Und wenn die Liebe die Kraft besitzt, aus Engeln Menschen zu machen, sollte sie es dann nicht auch schaffen, dass Menschen einander zu Engeln werden? Wim Wenders „Himmel über Berlin“ verliert nicht ein einziges Wort über Gott. Die Engel sind keine Boten, die den Menschen in seinem Auftrag etwas zu sagen haben. Sie können den Alltag der Welt nicht steuern, können durch Zauberhand kein Un- heil verhüten, sind weder Tröster noch Ratgeber oder Beschützer. Aber weil einer von ihnen sein ewiges Engelsein gegen die Menschwerdung eintauscht, weil er das irdische Leben so sehr liebt, dass er dafür auch den Tod in Kauf nimmt, lehren diese Engelge- schichte einen Blick, der oft verloren zu gehen droht, lehrt tiefe Wertschätzung für das irdische Dasein. Und setzt so ins Bild, was im Korinther- brief des Apostel Paulus unter der Überschrift „Das Hohe Lied der Liebe“ aufgeschrieben ist. Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen re- dete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tö- nendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze. Und ein paar Zeilen später: Die Liebe hört niemals auf, wo doch das propheti- sche Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser pro- phetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich er- kennen, wie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. Amen
Ev. Kirchengemeinde Walsum-Vierlinden